Die Website zu übersetzen ist der naheliegende erste Schritt in einen neuen Markt, und bei vielen Unternehmen bleibt es dabei. Dann ziehen die übersetzten Seiten kaum Besucher an, und niemand kann erklären, warum. Internationales SEO ist die Arbeit, die diese Lücke füllt: dafür zu sorgen, dass Suchmaschinen verstehen, für welches Land und welche Sprache jede Seite gedacht ist, und dass die Inhalte dazu passen, wie Kunden vor Ort tatsächlich suchen. Dieser Leitfaden zeigt, was eine Übersetzung offenlässt und was stehen sollte, bevor Sie expandieren.
Warum reicht eine Übersetzung für internationales SEO nicht aus?
Eine Übersetzung überträgt Ihre vorhandenen Texte in eine andere Sprache. Sichtbarkeit in Suchmaschinen hängt von etwas anderem ab: ob Ihre Seite die Begriffe trifft, die Menschen eintippen, ob sie liefert, was diese finden wollen, und ob sie für Suchmaschinen technisch eindeutig ist.
Eine getreue Übersetzung kann an allen drei Punkten scheitern. Der übersetzte Begriff ist vielleicht korrekt, wird aber kaum gesucht. Die Seite beantwortet womöglich eine Frage, die Käufer in diesem Land gar nicht stellen. Und ohne die richtigen technischen Signale zeigen Suchmaschinen unter Umständen die falsche Sprachversion an oder werten Ihre Sprachversionen als Duplikate.
Wie funktioniert die Keyword-Recherche für jeden Markt?
Die Keyword-Recherche muss für jeden Markt neu gemacht werden: in der Landessprache und von jemandem, der sie als Muttersprache spricht. Die vorhandene Keyword-Liste einfach zu übersetzen funktioniert nicht, und zwar aus mehreren Gründen:
- Andere Wörter für dieselbe Sache. Die wörtliche Übersetzung ist oft nicht der Begriff, den die Menschen verwenden. Viele Märkte übernehmen englische Begriffe für Technologie und Wirtschaft, andere bevorzugen ein eigenes Wort.
- Regionale Unterschiede innerhalb einer Sprache. Spanisch in Spanien und in Mexiko, Französisch in Frankreich und in Kanada, Deutsch in Deutschland und in der Schweiz unterscheiden sich in Wortschatz, Schreibweise und Förmlichkeit.
- Anderes Suchverhalten. Die Nachfrage nach einem Produkt, die Fragen dazu und die Saison, in der das Interesse am höchsten ist, sind von Land zu Land verschieden.
- Andere Suchmaschinen. Google führt in den meisten Märkten, aber nicht in allen, und die Alternativen haben ihre eigenen Regeln.
Das Ergebnis sollte eine Keyword-Map je Markt sein: auf welchen Suchbegriff jede Seite zielt und welche Seiten für dieses Publikum neu entstehen oder entfallen sollten.
Welche URL-Struktur ist die beste für eine mehrsprachige Website?
Jede Sprach- oder Länderversion braucht eine eigene, eindeutige URL. Dafür gibt es drei gängige Strukturen.
- Länderdomains wie eine .fr- oder .de-Adresse. Sie senden das stärkste Ländersignal, und Nutzer vor Ort vertrauen ihnen. Dafür baut jede Domain ihre Autorität getrennt auf und bringt zusätzliche Kosten und Verwaltungsaufwand mit sich.
- Unterverzeichnisse auf einer Domain, etwa /fr/ und /de/. Alle Versionen teilen sich die Autorität einer einzigen Domain, und die Website ist einfacher zu pflegen. Für die meisten wachsenden Unternehmen ist das die praktikable Wahl.
- Subdomains wie fr.example.com. Sie lassen sich leicht getrennt hosten, teilen aber in der Regel weniger Autorität mit der Hauptdomain als Unterverzeichnisse.
Wofür Sie sich auch entscheiden: Vermeiden Sie zwei häufige Fehler. Wechseln Sie die Sprache nicht per URL-Parameter oder Cookie auf derselben Adresse, denn Suchmaschinen brauchen eine eigene URL, um jede Version zu indexieren. Und legen Sie früh fest, ob Sie Sprachen oder Länder ansprechen: Eine einzige spanische Version bedient alle Spanischsprachigen, getrennte Versionen für Spanien und Mexiko erlauben dagegen unterschiedliche Preise, Begriffe und Angebote.
Was ist hreflang und wie setzt man es richtig um?
Hreflang ist eine Angabe im Seitencode, die Suchmaschinen mitteilt, für welche Sprache und optional für welches Land eine Seite gedacht ist und wo ihre alternativen Versionen liegen. So erscheint die richtige Version beim richtigen Nutzer, und ähnliche Seiten in derselben Sprache konkurrieren nicht miteinander.
Zugleich gehört hreflang zu den Elementen, die auf internationalen Websites am häufigsten fehlerhaft sind. Prüfen Sie diese Punkte:
- Jede Seite nennt alle alternativen Versionen, auch sich selbst.
- Die Angaben sind wechselseitig: Verweist die englische Seite auf die französische, muss die französische auch auf die englische verweisen.
- Die Codes sind gültig: ein Sprachcode, optional gefolgt von einem Ländercode. Ein Ländercode allein ist nicht gültig.
- Ein x-default-Wert benennt die Ausweichseite für Nutzer, auf die keine der genannten Versionen passt.
- Die hreflang-URLs sind die kanonischen, indexierbaren Adressen, keine weitergeleiteten oder gesperrten.
Inhalte lokalisieren: Was gehört neben dem Text dazu?
Lokalisierung bedeutet, die ganze Seite an die Erwartungen des Marktes anzupassen. Gehen Sie die folgenden Punkte einzeln durch:
- Titel und Meta-Beschreibungen, neu geschrieben rund um das lokale Keyword statt übersetzt.
- Währung, Einheiten, Datumsformate und Telefonnummern.
- Zahlungs- und Lieferoptionen, die Käufer vor Ort erwarten.
- Rechtliche Inhalte: Geschäftsbedingungen, Rückgabe, Datenschutz und Einwilligung sind je nach Rechtsordnung unterschiedlich geregelt.
- Beispiele, Case Studies und Kundenstimmen mit Bezug zum jeweiligen Land.
- Bilder und ihre Alt-Texte, samt Text, der in Grafiken eingebettet ist.
- Tonalität. Die förmliche oder vertraute Anrede hat in Sprachen wie Deutsch oder Französisch echtes Gewicht.
- Formulare und Kundenservice. Wenn Besucher in ihrer Sprache anfragen, muss jemand in dieser Sprache antworten können.
Maschinelle Übersetzung kann bei umfangreichen Inhalten ein vernünftiger Ausgangspunkt sein, sofern jemand mit muttersprachlichen Kenntnissen das Ergebnis überarbeitet. Wer ungeprüfte maschinelle Texte auf seinen wichtigsten kommerziellen Seiten veröffentlicht, riskiert Rankings und Glaubwürdigkeit.
Welche technischen Fehler schaden internationalen Rankings?
Der folgenschwerste Fehler ist, Besucher anhand ihrer IP-Adresse oder Browsersprache zwangsweise auf eine Version umzuleiten. Die Crawler der Suchmaschinen kommen meist von wenigen Standorten, sodass automatische Weiterleitungen verhindern können, dass sie Ihre anderen Versionen jemals sehen. Schlagen Sie die passende Version lieber mit einem Banner vor und lassen Sie die Nutzer wählen.
Weitere Prüfpunkte: Jede Sprachversion sollte über einen sichtbaren Sprachumschalter verlinkt und in der XML-Sitemap enthalten sein. Sie sollte keine Sprachmischung aufweisen, etwa unübersetzte Menüs oder Footer. Der Serverstandort ist heute weit weniger wichtig als früher, solange die Seiten im Zielland schnell laden. Dafür sorgt ein Content Delivery Network zuverlässig.
Zuletzt: Autorität ist zum Teil lokal. Links und Erwähnungen von Websites aus dem Zielland, Einträge in relevanten lokalen Verzeichnissen und, wo Sie einen Standort haben, ein lokales Unternehmensprofil helfen einer neuen Marktversion, sich zu etablieren.
Häufige Fragen
Brauchen wir für jedes Land eine eigene Domain?
Nein. Unterverzeichnisse auf einer einzigen Domain funktionieren für die meisten Unternehmen gut und sind einfacher zu verwalten. Eigene Länderdomains sind sinnvoll, wenn Sie vor Ort wirklich präsent sind, die Ressourcen haben, jede Website zu pflegen, oder in einem Markt arbeiten, in dem lokale Domains klar bevorzugt werden.
Ist maschinelle Übersetzung schlecht für SEO?
Nicht an sich. Entscheidend ist, ob die fertige Seite korrekt, natürlich und nützlich ist. Maschinelle Übersetzung, die jemand mit muttersprachlichen Kenntnissen prüft und korrigiert, kann gut ranken. Unbearbeitete Texte lesen sich meist holprig und verfehlen die Begriffe, nach denen Nutzer vor Ort suchen.
Gelten übersetzte Seiten als Duplicate Content?
Seiten in unterschiedlichen Sprachen werden nicht als Duplikate gewertet. Seiten in derselben Sprache für verschiedene Länder können sich stark überschneiden. Korrekte hreflang-Angaben zeigen Suchmaschinen dann, welche Version zu welchem Publikum gehört.
Sollten wir alle Sprachen gleichzeitig starten?
Meistens nicht. Beginnen Sie mit dem Markt, in dem die Nachfrage am klarsten ist und Sie Kunden gut betreuen können, lernen Sie daraus und erweitern Sie dann. Eine vollständige, sauber lokalisierte Version in einer Sprache schlägt dünne Versionen in fünf Sprachen.
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